Veit Noll:

August von Einsiedel (1754-1837)

und

Emilie von Werthern, geb. von Münchhausen (1757-1844)

 

Mein Projekt zu August von Einsiedel und Emilie von Werthern darf ich hiermit kurz vorstellen:

Die erste Arbeit wurde 1988 über Einsiedels Friedenskonzeption vorgelegt. Diese basiert im Wesentlichen auf Wilhelm Dobbeks Quellenpublikation der Ideen Einsiedels von 1957, verbunden mit seinem einleitenden Aufsatz über Einsiedels Biographie, sowie Düntzers Ausgabe mit Briefen Einsiedels an Herder. Erste Vorstellungen über Einsiedels Denkstrukturen und seinen Lebensweg konnten damit gewonnen werden.

Daran schlossen sich über die Jahre umfangreiche Forschungen in den Archiven an. Es stellte sich heraus, dass Einsiedels überlieferter Nachlass um 1910 zerschlagen und verkauft wurde. Einiges wurde durch den Krieg 1945 vernichtet, anderes ist verschollen. Auch wenn der Kernnachlass mit Einsiedels Ideen, Briefen an ihn und Denkschriften nicht aufzufinden war, so ist es zwischenzeitlich doch gelungen, vielfache Quellen ausfindig zu machen, die näheren Aufschluss über seine Denkweise und sein Handeln geben.

Eine Besonderheit stellen nach der Quellenlage Einsiedels Ideen dar, die ausschließlich in Herders Abschrift und dazu noch in Abkürzungen vorliegen. Wilhelm Dobbeks Ausgabe bedarf insoweit der Revision und Neuordnung, damit Einsiedels Gedanken in ihrer jeweiligen Zeit und in ihrer assoziativen Entwicklung und Komplexität zugänglich werden. Die Transkription liegt zwischenzeitlich vor. Namhafte fachwissenschaftliche Unterstützung machte dies möglich.

Zugleich konnten oftmals anonym gedruckte oder schwer zugängliche Quellen erschlossen werden, die ein völlig neues Bild von Einsiedel ergeben.

Mit Einsiedels Anschauungen und Handeln ist unbedingt Emilie von Werthern, seine spätere Ehefrau, verbunden. Die Fragen von Liebe, Ehe und Familie stellen sich im Hinblick auf diese kluge und feinfühlige Frau, die im Übrigen zum engsten Umfeld des ersten Weimarer Jahrzehnts um Goethe, Knebel, Herder, Anna Amalia, Caroline Herder, Sophie von Schard, Charlotte von Stein u. a. gehörte. Das Forschungsprojekt hat sich mit der Quellensuche auf ihre Beziehung zu Einsiedel, zugleich aber auch im Hinblick auf ihre eigenständige Persönlichkeit erweitert. Schließlich bezog sich Goethe in seiner Selbstdarstellung an entscheidenden Punkten auf das Liebespaar August von Einsiedel und Emilie von Werthern und gab dadurch über sein Inneres und den Charakter seiner Beziehungen Aufschluss. Die damit verbundenen weiteren Nachforschungen bei Goethe gaben zugleich wiederum Aufschluss über Einsiedel.

Aus diesen komplexen, ineinander greifenden Prüfungen, Quellenerschließungen und Analysen ergeben sich die folgenden Forschungs- und Publikationslinien:

 

1. August von Einsiedel: Philosophie und Lebensweg

Anhand der neuererschlossenen Quellen ist Einsiedels philosophische Denkweise zugänglich zu machen und in seiner Grundstruktur darzustellen. Der Kern bezieht sich dabei auf seine Anschauungen zu Gesellschaft und Geschichte, verbunden mit den Fragen von Erkenntnis, Gott und Religion. Unter Einbeziehung der Zeitgeschehnisse werden die sich entwickelnden Anschauungen geschildert. 

Die völlig neuen Aufschlüsse über seinen Lebensweg und seine Persönlichkeit werden dargestellt. 

Die umfangreich erschlossenen und bereits transkribierten Quellen werden in einer entsprechenden Edition präsentiert.

Arbeitstitel: Johann August von Einsiedel (1754-1837) Werke - Veröffentlichungen, Briefe und Aufzeichnungen.

Inhaltsverzeichnis:

- Veröffentlichungen von und über Einsiedel zur Lebenszeit

- Dokumente zur Afrikareise

- Einsiedels Ideen 1776-1814 (Chronologisch)

- Briefe von und an Einsiedel

- Tagebuchaufzeichnungen

- Zeitgenossen über Einsiedel

- Dokumente von Einsiedel (Wirtschaftsgutachten, Vertrag zu Frohndiensten)

- Materialien zum Sohn August Friedrich von Einsiedel

 

2. Emilie von Werthern: Lebensweg

Emilie von Wertherns Anschauungen und Lebensweg werden in einer gesonderten Publikation dargestellt. Dabei werden die Stellung der adligen Frau und die Frage der Ehe, Liebe und Auflösung der Ehe besonders berücksichtigt.

 

3. Goethe im Wahnsinn der Liebe. Oder: Liebe kontra Recht und Moral.

Goethes Weimarer Situation im Hinblick auf die Liebe wird aus dem Blick seines Bezuges auf das Liebespaar August von Einsiedel und Emilie von Werthern zugänglich gemacht. An den ersten umfassenden Aufsatz Goethe im Wahnsinn der Liebe [I] von 2009, der sich vor allem auf seine beabsichtigte Flucht mit Charlotte von Stein 1786 bezieht, schließt sich eine wesentliche Erweiterung im Hinblick auf sein besonderes und ambivalentes Verhältnis zu Anna Amalia an. Des weiteren wird Charlotte von Steins Reflexion in Bezug auf Goethes versuchten Ehebruch analysiert. Das ca. 700 Seiten umfassende Manuskript wird in vier Büchern erscheinen.

Der erste Band: Die Flucht 1786 erschien 2014 und wurde zuerst anlässlich von Anna Amalias 275. Geburtstag in der Eckermann Buchhandlung Weimar mit Unterstützung des Freundeskreises des Goethe-Nationalmuseum Weimar e. V. im Oktober 2014 präsentiert.

Der zweite Band: "Tassos" Botschaft wird aus Anlass von Ostern 2016 in Weimar vorgestellt: Der Herr ist auferstanden ...

Der dritte Band wird voraussichtlich 2018 erscheinen. Faustina wird entschlüsselt. In in ihrem Bezug auf Anna Amalia, die nach Goethe in Italien strebte, ergeben sich weitere Hinweise auf Goethes Verhältnis zur Fürstin.

Veit Noll: Goethe im Wahnsinn der Liebe (II). Oder Liebe kontra Recht und Moral.                                          

Band 1: Die Flucht 1786. Forschungsverlag Salzwedel 2014, ISBN: 978-3-9816669-2-2        

Band 2: Tassos Botschaft. Forschungsverlag Salzwedel 2016, ISBN: 978-3-9816669-4-6                                                                                                        

www.forschungsverlag.de       

#Goethe im Wahnsinn der Liebe